Heimathefte "Rund um den Weiher"


Folge 2:
Die alte Kirche

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Folge 2: Die alte Kirche


Kapitel:

Kapitel 1: Die alte Kirche
Kapitel 2: Aus der DORFGESCHICHTE - bis zum Ende des 30-jährigen Krieges 1648
Kapitel 3: Der Buntsandstein im Niederwürzbacher Raum
Kapitel 4: Die Vogelwelt in Niederwürzbach heute.
Kapitel 5: Flurnamen der Gemarkung Niederwürzbach mit Seelbach
Kapitel 6: Mundartliche Lyrik
Kapitel 7: Die Bank am Ort: Volksbank in Niederwürzbach
Kapitel 8: Vorwort
Kapitel 9: Niederwürzbach - auf der Schmit'chen Karte von 1797

Kapitel : Die alte Kirche

Am 31. Juli 1955 bezogen die evangelischen Gemeindemitglieder von Niederwürzbach voller Freude und Stolz ihre "Heiliggeistkirche".
Bereits seit einigen Jahren wurden in einem Schulsaal evangelische Gottesdienste abgehalten. Doch ein Würzbacher Bürger - Jakob Lehmann, Mitglied im Presbyterium Hassel - drängte immer wieder darauf, einmal die ehemalige alte katholische Kirche, die in den Besitz der politischen Gemeinde gekommen war, für die evangelischen Gottesdienste nutzbar zu machen. Mit Zähigkeit hat er diesen Gedanken weiter verfolgt, bis die alte Kirche durch Beschluss des Gemeinderates Niederwürzbach am 6. Juni 1952 an die Protestantische Kirchengemeinde Hassel verkauft wurde.
Damit wurde ein historisches Gebäude wieder seinem ursprünglichen Zweck zugeführt (siehe Urkunde Seite 9).

Die alte Kirche wurde in den Jahren 1738 bis 1742 erbaut. Aber vermutlich reichen die Anfänge eines Kirchenbaues in Niederwürzbach noch weiter in die Geschichte zurück.


Vier Hinweise mögen diese Vermutung belegen:

Auf der Karte von Tilemann Stella aus dem Jahre 1564 (siehe "RUND UM DEN WEIHER" Heft D wird "Niderwirtzbach" als etterumgebenes Dorf dargestellt. Inmitten einer Häusergruppe erhebt sich eine Kirche.

Der französische Geograph Jaillot verwendet auf einer Karte von 1705 für Niederwürzbach ein Dorfzeichen mit Kirche.

Aus einer Notiz von Rektor Vogelgesang zur Geschichte von Niederwürzbach geht hervor: "Zu Anfang des 18. Jahrhunderts erinnern zerfallene Mauern an eine frühere Kapelle in Niederwürzbach."

Beim Beginn des Umbaues der Hubertuskapelle 1953 wurde auch das Fundament zum größten Teil freigelegt und festgestellt, dass verschiedene Fundamentreste zu einem Bau gehören, der älter ist, als der 1738 begonnene Kirchenbau.


Im Jahre 1738 jedenfalls begann man mit dem Bau einer Kirche, nachdem die Einwohnerzahl von Niederwürzbach ständig gestiegen war. Bald jedoch waren die Mittel erschöpft. Im Februar 1739 wandten sich die Niederwürzbacher an ihren Landesherrn um Unterstützung für den Kirchenbau. Im April 1739 gewährte Reichsgraf Friedrich Ferdinand von der Leyen einen außerordentlichen Holzhieb als Bauhilfe.

Die Gemeindemitglieder mussten jedoch vorher eine Aufstellung über die erforderlichen Baukosten dem Amt Blieskastel vorlegen. Die Ausgaben für den Rohbau durften die Kosten von 319 Gulden nicht übersteigen.

Die noch anstehenden Maurerarbeiten wurden dem Maurermeister Johannes Harz übertragen, die Ziegel lieferte Hans Jakob Wannemacher von Ommersheim, Johannes Puhl und Georg Loth von Blieskastel übernahmen die Schlosser- und Schmiedearbeiten.

Nach dem Abschluss der Bauarbeiten, die sich über 4 Jahre erstreckten, sollte die Kirche auch noch mit dem notwendigen Schmuck versehen werden. So sollte ein Bildnis des Kirchenpatrons St. Hubertus den Altarraum schmücken. Schulmeister Henrich Mortz von Lautzkirchen begab sich zu dem Bildhauer Maderstock in Wieblingen und bestellte das Bild, das nicht mehr als 15 Gulden kosten durfte. Der Künstler dürfte identisch sein mit dem Meister Johann Franz Madersteek aus Saarbuckenheim, der die Samsonkanzel für das Kloster Gräfinthal schuf, die heute in der Kirche zu Reinheim aufgestellt ist.

Im Jahre 1759 wurde das Hubertusrelief abgeholt und aufgestellt (siehe Abb. Seite 5). Für den Dachreiter der neuen Kirche lieferte der ehrsame Glockengießer Georg Gachot von Zweibrücken eine 213,5 Pfund schwere Glocke. Nach der Einweihung gab der Kirchenrechner des Baues, der Mühlenpächter Jakob Hauck, ein Festessen. Mit Genehmigung der Obrigkeit durfte von nun an einmal im Jahr - am Hubertustag - ein Jahrmarkt abgehalten werden.

Nun hatten die Würzbacher zunächst eine Stätte der Andacht, aber noch keinen eigenen Gottesdienst. Wie aus einem Register der Diözese Metz hervorgeht, wurde während einer Renovierung der Kirche in Lautzkirchen in "St. Hubert á Niederwürzbach“ Gottesdienst gehalten. 1786 wandten sich die Gläubigen an die Reichsgräfin Marianne und baten, ein Material sammeln zu dürfen, dessen Ertrag es gestatten sollte, weiterhin die Messe in der Kapelle zu feiern. Bei dieser Gelegenheit machte man eine genaue Aufstellung der Kommunionempfänger:


Niederwürzbach: 202

Seelbach: 38


Die Gräfin gab am 13. Januar 1787 ihre Zustimmung, so dass von dieser Zeit an der Pfarrer von Lautzkirchen regelmäßig Gottesdienst in Niederwürzbach halten konnte.

In den Wirren der franz. Revolution wurde das kleine Kirchlein 1793 entweiht und seines Schmuckes beraubt. Die Gemeinde ließ auf ihre Kosten 1794 durch einen Schreiner einen neuen Altar bauen. Wahrscheinlich ging bei dieser Schändung auch die erste Glocke verloren und eine neue musste angeschafft werden, denn Pfarrer Hölscher (1876 - 1895 Pfarrer in Niederwürzbach) schreibt in seinen Memoiren über die alte Kapellen-Glocke:


Diese Glocke hatte folgende Inschrift: "Gegossen im April 1822 von Peter Lindenmann in Zweibrücken für die kath. Gemeinde in Niederwürzbach zur Zeit als Nicolaus Zimmermann Adjunkt war." Im Jahre 1890 wurde sie, weil gesprungen, durch den Glockengießer Hamm in Frankenthal umgegossen. Am 6. Oktober 1891 wurde sie vom Fabrikat1) der politischen Gemeinde Niederwürzbach geschenkt mit der Bestimmung, dass mit dieser Glocke das Polizei-, Schul- und Feuergeläut, sowie das Sterbe- und Begräbnisgeläut für andersgläubige besorgt werde.


Das 19. Jahrhundert brachte für unseren Ort ständig steigende Einwohnerzahlen. 1863 wurde Niederwürzbach selbständige Pfarrei. Die alte Kirche reichte nicht mehr aus. Wie Pfr. Hölscher die Situation damals sah, schreibt er in seinen Aufzeichnungen:

"Meine erste Sorge musste sein die Erbauung einer neuen Kirche. Als die kleine Kapelle gebaut wurde (1740) zählte die Gemeinde 300 Seelen. Jetzt war sie angewachsen auf 1.100 Seelen. Etwa 200 Personen mochte die Kapelle fassen. Dichtgedrängt lagen sonntags die Kinder bis auf die Stufen des kleinen Altares; dichtgedrängt saßen und standen die Erwachsenen. Es war ein trostloser Zustand. Schnelle Abhilfe war notwendig."

Nach dem Umzug in die neue Kirche (1881) wurde die kleine Hubertus-Kapelle an die politische Gemeinde verkauft, die das Haus als Bürgermeisteramt einrichtete. Altar und Wandschmuck der Kapelle brachte man zum Teil in die Kapelle beim Geistkircherhof. Schreiner Schaller erwarb die eichenen Kirchenbänke. Harmonium und Turmuhr wanderten in die Schule, Taufstein und Hubertusbild2) in die neue Kirche.

Als das Bürgermeisteramt 1935 in das damalige Mädchenschulhaus übergesiedelt war, zog man eine Zwischendecke ein und machte den Kapellenbau zweistöckig. Das alte Kirchlein diente nun der NSV als Dienststelle und den Gliederungen der NSDAP als Versammlungsraum ("Braunes Haus"). Nach dem Krieg diente der untere Raum weiterhin der Feuerwehr, das Parterre als Wohnung. Und so schließt sich heute der kreis - die "Alte Kirche" versieht wieder ihren Dienst als Gotteshaus und ist nach der kürzlich erfolgten Außenrenovierung ein Schmuckstück in unserem Ortsbild.

1) Fabrikat = der alte Name für Kirchenrat = Verwaltungsrat

2) Das Hubertus-Relief (siehe Abb. Seite 5) wurde beim Neubau der kath. Pfarrkirche 1881 auf ausdrücklichen Wunsch der Bevölkerung in den neuen Hochaltar integriert. Beim Brand der Kirche im März 1945 retteten beherzte Männer u.a. dieses Hubertus-Relief vor der Zerstörung. Nach dem Krieg fand es jahrelang keine Beachtung mehr und galt sogar einige Zeit als verschollen. Auf mein Betreiben hin fand das Bildnis des hl. Hubertus – eines der ältesten Zeugnisse der würzbacher Geschichte – wieder einen würdigen Platz im Eingangsbereich der kath. Kirche St. Hubertus.

Dieter Schnepp

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